Planung in der Landschaft Fotografie

Von admin|13. Dezember 2017|Blog|2 Kommentare

 

 


Planung in der Landschaftsfotografie? Das hört sich zunächst einmal sehr trocken, und wenn ich ehrlich bin, nicht gerade sexy an. Wir wollen doch alle einfach nur Spaß haben, uns in der Natur bewegen und dort Energie für den Alltag tanken. Allerdings wurde es mir in den letzten Jahren immer klarer dass eine wirklich wertige und anspruchsvolle Landschaftsfotografie ohne eine entsprechende Vorplanung schlichtweg eine Lotterie, oder besser gesagt reine Glücksache ist. Es ist durchaus möglich mit, entsprechenden Hilfsmitteln eine Lokation so weit zu analysieren, dass die Bedingungen vor Ort zum Zeitpunkt des Fotografierens möglichst gut sind.

In den folgenden Abschnitten werde ich nun auf genau diese Hilfsmittel eingehen denen ich mich bediene, um meine Aktionen zu planen.

Welche Fragen stellen sich hier in der Plangsphase?

  • Wie finde ich neue Lokations?

  • Wo genau liegt die Lokation und wie lange dauert die Anreise?

  • Wie verändert sich der Sonnenstand im Tagesverlauf?

  • Wie liegen Ebbe und Flut?

 


 

Wie finde ich neue Lokations?

Kaum etwas in der Natur und Landschaftsfotografie kann so zeitaufwendig und nervenaufreibend sein, wie das Suchen neuer Fotolokationen, die es wert sind, sich auf den Weg zu machen, um diese fotografisch zu bearbeiten. Hier bediene ich mich mehrerer Hilfsmittel. Es gibt, was jedem der meinen Blog liest klar ist, verschiedene Internetseiten von Landschaftsfotografen, die auf ihren Seiten gerne Lokationen zeigen und diese namentlich nennen. Hier ist es ein leichtes anzusetzen und diese Lokation im Internet ausfindig zu machen. Mit einigen Programmen wie Goole Earth, Google Maps, 500px oder auch Outdooractive sind viele Lokations schnell gefunden und GPS genau zu markieren. 

Im Laufe der Zeit reizt es aber immer mehr, sich eigene Punkte zu erarbeiten und diese zu suchen. Zum einen suche ich ab und an die Küstenlinien meiner Urlaubsregionen bei Google Earth ab und schaue nach geeigneten Strukturen und Beispielbildern. Diese Suche wird dann immer mehr verfeinert und ich plane die Möglichkeiten mich vor Ort umzusehen.

Eine weitere interessante Möglichkeit ist es, im TV oder auch im Kino genau hinzusehen. Oft spielen Blockbuster wie “Game of Thrones”, “Herr der Ringe” oder auch “Star Wars” in fotografisch sehr interessanten Landschaften. So wurden einige legendäre Szenen aus Star Wars in den Dünen des Death Valley gedreht. Ein weiteres Beispiel wäre eine Sequenz in “Game of Thrones” welche in den Bardenas Reale in Spanien. Diese Wüstenlandschaft mitten in Europa hätte ich hier nie vermutet. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wo Dokumentationen oder Filme als Inspiration genutzt werden können. Es gibt sogar ganze Internetseiten, wie die Seite Filmtourismus und Blogs, die sich nur mit dem Suchen und Finden von Drehorten beschäftigen. Aktuell sind viele der Lokationscouts auf Island unterwegs. Es wird weiter interessant bleiben, was uns noch alles gezeigt werden wird.

Auf YouTube, oder auch Vimeo und ähnlichen Seiten werden oftmals kurze Sequenzen von Berichten gezeigt die es sehr gut zulassen, sich ein Bild der Landschaft vor Ort zu machen. Hier kann es durchaus sehr sinnvoll sein, nicht die typischen fotografischen Suchbegriffe zu wählen, sondern auf Wanderer oder Outdoor Seiten zu stöbern.

 


 

Wo genau liegt die Lokation und wie lange dauert die Anreise?

Diese zunächst sehr einfache Fragestellung beinhaltet schon einige der wichtigsten Fallstricke in der Vorplanung einer Fotoaktion. Nehmen wir an dieser Stelle als Beispiel den Kirschfelsen im Pfälzer Wald. Sucht man auf Google Maps oder Google Earth diesen Felsen, wird man nicht fündig werden. Erst bei einer Google Suche erscheint der Kirschfelsen als Teil einer Wanderung auf Outdoor Active. Wie auf dem Bild rechts zu sehen, ist es hier aber ganz entscheidend, das der Felsen nicht mit dem PKW zu erreichen ist, ohne sich auf Wegen zu bewegen, die nicht befahren werden dürfen. Aus diesem Grund ist es für die zeitliche Planung sehr wichtig zu wissen, wo genau die Lokation liegt und wie sie zu erreichen ist. Will ich also aus meinem Heimatort Marpingen zum Kirschfelsen, muss ich bis ich dort bin locker 2-2,5 Stunden rechnen.Ein weiteres Beispiel, das ich anführen möchte ist der Benijo Beach in Teneriffa. Diesen Strand auf der Karte zu betrachten, ist auch mehr als trügerisch. Anhand der Karte könnte man denken “ok, das ist nahe neben der Straße”. Und das ist auch gar nicht so falsch gedacht. Luftlinie sind es vielleicht 200-300 Meter von dem Parkplatz bis zum Strand. Allerdings ist eine Steile Küsten zu überwinden die mit einer sehr langen und anstrengenden Treppe erklommen werden musst. Auch hier muss ein Weg von 30min. eingeplant werden, vom Parkplatz bis zur Lokation an sich. An einem Strand wie dem Benijo kommt noch erschwerend hinzu, dass euch an der Lokation nicht sofort der Bildaufbau klar sein wird. Die Situation und Lokation muss erst mal analysiert und verstanden werden. Hier nehme ich mir gerne viel Zeit und kann nur jedem Raten, 1-2 Stunden vor der angedachten Fotozeit unten am Strand zu sein. Es gibt in der Naturfotografie und in der Landschaftsfotografie im speziellen nichts Schlimmeres, als zu versuchen, ein Bild in Hektik oder unter Zeitdruck zu gestalten, weil einem die Zeit weg läuft. Wenn die idealen Lichtverhältnisse sich ankündigen, sollten der Bildausschnitt und die Bildidee im Idealfall bereist stehen.


 

Wie verändert sich der Sonnenstand im Tagesverlauf?

Für uns Landschaftsfotografen gibt es im Verlauf eines Tages genau zwei fixe Zeiten, nach denen wir uns im Prinzip immer mehr oder weniger richten müssen. Wovon ich hier spreche, ist wohl klar. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind die Zeitrechnung des Fotografen. Ab und an werde ich von Fotofreunden gefragt, was für mich der wichtigste Teil meines Equipment in der Landschaft Fotografie ist. Ich sage dann gerne “mein Wecker”. Zum Sonnenaufgang on Lokation zu sein, kann dem Fotografen durchaus den Schaf rauben. In keinem anderen Bereich werden so viele Apps und Desktop Programme angeboten, die es dem Fotografen erleichtern, den Sonnenstand im Tagesverlauf zu planen. Prinzipiell basieren diese alle auf dem gleichen Grundgedanken. Dem Anwender wird eine GPS Karte auf Google Maps Basis zur Verfügung gestellt, auf der er durch Eingabe eines Suchbegriffes, oder auch einer GPS Suche einen Ort bestimmen kann. Ausgehend von diesem Standpunkt werden nun einige Daten berechnet. Der Clou ist bei all diesen Software Lösungen, dass die Himmelsrichtung angezeigt wird, in der z.B. der Sonnenaufgang sich zeigen wird. Es ist also möglich, exakt zu bestimmen wann ich wo sein muss, um den Sonnenaufgang genau dort zu sehen, wo ich ihn haben möchte. Oder halt wo ich mich hinstellen muss um den idealen Stand der Sonne zu erreichen. Auch werden in einzelnen dieser Apps Begriffe wie Blaue Stunde, Goldene Stunde oder auch nautischer Sonnenaufgang zu finden sein. All diese Werte sind extrem wichtig und können wunderbar mit in die Planung einbezogen werden.

Eine kleine Auswahl eben jener Programme möchte ich euch hier geben. The Photographer’s Ephemeris, PhotoPills, Rolleimoments,Dämmerungsrechner, Sun Surveyor …………

Eine Besonderheit bietet, hier die APP “The Photographer´s Ephemeris”. Zumindest weiß ich es nur von dieser. Sollten auch andere Apps diese Möglichkeit bieten könnt ihr das gerne in die Kommentare hauen. Es ist möglich, mit Hilfe eines extra Pins (dem grauen), einen Winkel zu berechnen der den Geländeverlauf mit dem Sonnenstand vergleicht. Es kann z.B. sein, dass der Sonnenaufgang an einer Lokation um 7 Uhr ist allerdings genau dort ein hoher Berg die Sonne verdeckt. Bis nun die Sonne über den Berg kommt, hat sie unter Umstaänden schon einige Meter am Horizont zurück gelegt. So ist an der Lokation der echte Sonnenaufgang später. Dies zu beachten kann sehr entscheidend in der Planung sein. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Serdar Ugurlu von Phototour4U, der mir einiges über diese Zusammenhänge erklärt und erläutert hat.


 

Wie liegen Ebbe und Flut?

Alle Punkte, die ich bisher in diesem Blog Eintrag angesprochen habe, zielten auf eine verbesserte Planung ab. Dieser Punkt nun ist hingegen durchaus aus zwei Gesichtspunkten sehr wichtig. Zum Einen selbstredend, wegen der bei verschiedenen Tiden doch sehr unterschiedlichen Situationen, die aus fotografischer Sicht vorzufinden sind, zum Anderen aber auch aus sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten. Es gibt nicht wenige Lokationen am Strand, die im Falle einer einsetzenden Flut alles andere als zu unterschätzen sind. Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Wanderer aber auch Fotografen in Lebensgefahr begeben. Gerade an der Atlantik Küste, die einer starken Tide unterliegt, gibt es einige steil abfallende Klippen, deren schmaler Strand zum Fotografieren einlädt. Hier gib es oft auf mehrere Kilometer nur einen Zugang zum Strandbereich. Es ist nicht zu unterschätzen, wenn ihr euch dort im fotografischen Tunnel befinde und die Flut einsetzt. Also besser die App prüfen, bevor die Füße nass werden. 

 


 

Das Wetter?

Was nutzt die beste Planung, wenn vor Ort nix geht, weil das Wetter einfach nicht mitspielen will. “Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung” ist vielleicht ein Spruch, der bei Wanderern gut passt, bei Fotografen allerdings ist diese Aussage wohl nicht immer passend. Selbs verständlich müssen auch wir uns bei Wind und Wetter den Bedingungen entsprechend kleiden, nur ist es einfach so, dass es Wetterbedingungen gibt, die es unmöglich machen das zu fotografieren, was geplant war. Das einfachste Beispiel sind hier tief hängende, dichte Wolken, die einen Sonnenuntergang völlig verdecken.

Auch schon in der Planungsphase ist es deshalb sehr wichtig, mit den zu erwartenden Wetterbedingungen vor Ort möglichst exakt vertraut zu machen. Über verschiedene Wetter Seiten im Internet ist es hier möglich, eine wirklich erstaunlich gute Voraussage zu treffen. Hier meine ich keine allgemeine Wettervorhersage, sondern das ich nenne es mal Fotografenwetter. In den letzten Monaten bin ich hier immer wieder auf der Seite Kachelmannwetter.com gelandet, die eine erstaunliche Fülle an Informationen für uns Fotografen bereit hält. So werden nicht nur die typischen Informationen wie Temperatur und Niederschlag genannt. Viel mehr sind interessante Unterscheidungen wie hohe, mittlere und tiefe Wolken zu finden. Bei einem Sonnenuntergang z.B. können mittlere und hohe Wolken in Richtung des Sonnenuntergangs sehr förderlich sein.

Als weitere Tipps an dieser Stelle kann ich euch noch zwei Dinge ans Herz legen. Zum einen das Buch Fotografieren mit Wind und Wetter” von Bastian Werner. In dem Buch erzählt Bastian Werner aus seiner langjährigen Erfahrung als Wetterfotograf. Es sind viele verschiede Phänomene die fotografisch interessant sind in ihrer Entstehung und auch in der fotografischen Umsetzung erläutert.  Als zweiten kleinen Tipp an der Stelle noch den “Landschaftfotografie Podcast von Nicolas Alexander Otto. Der erfahren Landschaftfotgraf hat in in einem lokeren Gespräch hier einen Teil seines Podcast mit Bastian Werner aufgenommen.

 

 

 

 


!! Für weitere Tipps und Anregungen bin ich jederzeit offen !!

 

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2 Kommentare

  1. Ein schöner informativer Artikel über die Vorbereitung einer Fotoreise. Auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine gewissenhafte Vorbereitung Frust vor Ort vermeidet. Eine keine Ergänzung: Fürs Wetter nutze ich am iPhone die App “Weather Pro” und Satellitenbilder schaue ich mir oft auch im Internet bei der Wetterzentrale (wetterzentrale.de) an.
    Viele Grüße,
    Thomas

  2. Ein Kommentar von Serdar Ugurlu

    Sehr schön und auch umfassend beschrieben das wichtige Thema.
    Ein Hinweis wegen der Gezeiten APP. Wie häufig im Leben tun die alle mehr oder weniger das selbe. Die Gezeiten anzeigen. Wo es aber große Unterschiede gibt ist die Anzahl der Stationen die zur Anzeige gebracht werden können. Hier nimmt AyeTides sicher eine Sonderrolle ein.
    AyeTides hat tausende davon und bietet auch eine Suche anhand der GPS Position des Anwenders was wirklich Top ist.
    Kostet wie alles was richtig gut ist aber auch Geld:

    https://itunes.apple.com/de/app/ayetides/id287316432?mt=8

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