(10) Photography oder Photoshop?

Photography oder Photoshop? 

Eine sicher etwas provokante Überschrift zu meinem heutigen Artikel im Mütterthies Fotoblog. Ich möchte heute in diesem Artikel, meine Gedanken zum diesem Themen Komplex ausführen. Auch und vor allem aus der Sicht eines Landschaft Fotografen. Natürlich schließt die Verwendung von Photoshop es nicht aus, dass ein Bild eine Fotografie ist. Dies zu behaupten wäre wohl absoluter Unsinn. Wie weit die Manipulation eines Bildes allerdings gehen darf, bis es die Ursprünglichkeit seiner Bildaussage verliert, darüber lässt sich genüsslich streiten.

Gerade in den letzten Wochen und Monaten kocht das Thema der Bildbearbeitung in der Fotografie wieder sehr stark hoch. In den Sozialen Medien wie Facebook oder auch Instagram, wird sehr heftig zum Thema Bildbearbeitung, Bildentwicklung und Composing gestritten. Leider bilden die Diskussionen dort auch die teils sehr verhärteten Ansichten verschiedener Fotografen/innen ab. So sollte ich vielleicht doch besser von den “asozialen Medien” schreiben. Was aber ein völlig anderes Thema dar stellt. Vielleicht werde ich aber auch einmal versuchen diesem Thema einen Beitrag zu widmen. Hier sind wir Natur und Landschaft Fotografen wohl die empfindlichste Spezies in der Fotografie.

In dieser Blog Beitrag ist natürlich meine eigne, sehr subjektive Meinung zum Thema Bildbearbeitung und Fotografie zusammengefasst worden.  Worum geht es hier überhaupt, was ist das Thema an dem sich die Geister scheiden? Im Grundprinzip ist diese Frage sehr einfach und schnell beantwortet. Es geht darum ab welchem Grat der Bildentwicklung ein Bild nicht mehr als reine Fotografie zu betrachten ist. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, unterscheide ich für mich klar zwei verschiedene Kategorien. Noch besser, ich unterscheide zwei verschiedene Kunst Formen. Welche beide gleichermaßen zu beachten und zu bewundern sind. 

Als erstes wäre da die Fotografie an sich, welche sich immer bemüht und den Anspruch hat den Moment der Aufnahme möglichst getreu wieder zu spiegeln. Dies mit all den Mitteln, die in der Bild Gestaltung und Kamerainternen Techniken möglich sind. Seit einem Ansel Adams ist die reine Technik der Kameras natürlich um Welten weiter entwickelt worden. Auch dieser Pionier der Landschaft Fotografie hat in seiner Schlafenszeit schon alle Möglichkeiten der Kamera ausgenutzt und wusste diese in der Dunkelkammer noch einmal zu verstärken.

Als zweites dann die Kunstform des der manipulierten Fotografie. Hier dürfen elementare Inhalte verändert werden um dem Bild eine unter Umständen völlig neue Aussage zu verleihen. Oder einfach die Arbeit besser zu gestalten. Echte Photoshop Künstler wie ein Ulli Staiger, welche sich mit ihren Arbeiten in meinen Augen in einer eigenen Liga des Compsings bewegen möchte ich hier nicht in meine Gedanken mit auf nehmen. Für eine Bewertung derer Arbeiten fehlt mir schlicht das Wissen zu diesen Techniken. Mit dem ursprünglichen Ansatz der Fotografie hat dies indes nur noch sehr wenig gemeinsam. 

Und es gibt immer auch diverse Zwischenschritte in dem Grat der Bearbeitung oder Entwicklung eines Fotos. Hier nun aber zum Thema. Wie entwickele ich meine Bilder und wo ziehe ich für mich eine Grenze in der Bearbeitung?

Wie soll ich an dieses komplizierte Thema ran gehen, um meinen Standpunkt möglichst klar auf den Punkt zu bringen? Diese Frage hat mich die letzten Tage beschäftigt. So möchte ich euch an einem Beispiel meine Gedanken erklären. 

Lightroom Entwicklung
Bild 1
5D MK IV – 30mm/124Sek./f18/ISO50 mit Filter

Am Anfang stand das RAW. Diese Aufnahme aus Norwegen ist genau so aus meiner Kamera raus gefallen. Nun werde ich anhand eben dieser Aufnahme ein Beispiel meiner RAW Entwicklung in Lightroom zu zeigen. Um es gleich schon an dieser Stelle vorne weg zu nehmen, ich nutze zu 99% kein Photoshop. Meine Entwicklung durchläuft einige Schritte in Lightroom und ist meist in 1-2 Minuten gemacht. Nun aber zur Entwicklung des Bildes.

Lightroom Entwicklung
Bild 2

In diesem zweiten Bild sind nun die ersten Entwicklung Einstellung vor genommen worden. Hier versuche ich zunächst immer die Ist Situation vor Ort so gut es geht auf den Monitor zu bringen. Wie ihr seht, wurden in den Grundeinstellungen von Lightroom einige Regler bewegt. Hauptziel hier ist es den Weißabgleich auf den Punkt zu bringen und das Histogramm schön zu strecken. Ich glaub dazu mache ich auch mal einen Beitrag, hier im Blog. So weit sind bis hierhin alle Schritte in der Bearbeitung noch in Ordnung. Sie sind sogar notwendig um ein RAW fertig zu machen.

Lightroom Entwicklung
Bild 3

In Bild drei ist nun schon etwas mehr passiert was in die Bildinhalte eingreift. Oder besser formuliert was Pixel verschiebt, kopiert oder löscht. Hier wurde nun ein Beschnitt der Aufnahme gemacht. Somit sind schon einige Inhalte des Bildes entfernt worden die auf dem ursprünglichen RAW zu sehen waren. Des weiteren wurden einige ordentliche Sensorflecken mit dem Stempel Werkzeug entfernt. Wenn du ab und an mal in der Natur unterwegs bist um zu fotografieren, kennst du dieses Problem nur zu gut. Die Sensorflecken zerstören den Bildeindruck sofort. Das Auge des Betrachters wandert immer wieder auf diesen komischen dunklen Punkt da im Himmel. Jetzt nur noch etwas Rauschen raus und Schärfe rein. Dies in einem sehr moderaten Rahmen. Bis hier hin sind das genau die Entwicklungsschritte, welche ich für mich als vollkommen in Ordnung fest gelegt habe.

Bild 4

Ok, die Schritte in Bild 3 sind für mich in Ordnung. Wo ist dann der Punkt, der für mich zu weit geht. Dies zeige ich euch nun in Bild 4. Wie ihr seht wurde die Plattform im Meer und ein kleiner Stein am Strand einfach entfernt. An dieser Stelle, wo Elemente auf dem Bild entfernt, oder auch hinzu gefügt werden ist für mich eine Grenze überschritten. Wobei die eben erwähnten Sensorflecken da eine Ausnahme dar stellen. In vielen Fällen ist es ganz einfach und ohne jedes Problem möglich einen Gegenstand bereits bei der Aufnahme vor Ort zu entfernen. Dies ziehe ich immer einem Stempeln in Lightroom oder Photoshop vor.

Eine wirklich kritisch zu hinterfragende Situation entsteht dann wenn Bilder für Wettbewerbe eingereiht werden. Hier muss sehr genau auf die Regularien der Ausschreibungen geachtet werden. Leider gibt es auch aktuell noch Wettbewerbe, in denen Bilder die möglichst nahe am Original bleiben wollen, mit manipulierten Aufnahmen zusammen bewertet werden. Da werden Vögel in den Himmel gesetzt, oder auch mal der Himmel getauscht.

Nun kennt ihr meine Meinung zu diesem teils sehr umstrittenen Thema. Bist du anderer Meinung oder möchtest noch etwas zum Text ergänzen? Sehr gerne kannst du hier im Blog ganz unten einen Kommentar hinterlassen.

Das Wichtigste überhaupt ist aber. “geht raus und fotografiert”

GUTES LICHT
Christian Mütterthies


von Christian Mütterthies, Herausgeber


  • Naturfotograf
  • Referent
  • Workshopleiter
  • Networker
  • Teil von “Natur im Fokus”
  • Fototrainer


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6 Kommentare

  1. @Thomas Zilch

    Ich denke, im Grundsatz sind wir genau auf einer Wellenlänge. Wenn wir zu einem Spot gewandert sind, sitzen dort bei scheiß Wetter eine Zeit lang fest und machen dann eine super Landschaftsaufnahme, stellen aber zuhause am PC fest das irgendwo eine rote Mülltüte lag. Dann mache auch ich die mit Lightroom weg. Allerdings würde ich dies auch immer ohne Umschweife so erzählen und erklären. Sind es allerdings Elemente die unwiederbringlich zu der Location gehören, würde ich die nicht weg machen. Oder es eben aktiv erwähnen.

    So gibt es z.B einige Bilder von der Lavendel Blüte in der Provence auf denen ein einzelner Baum oben am Ende des Lavendel Feldes steht. Vor Ort, aber erkennt man sehr schnell, dass dort mehrere Bäume stehen. Du weist was ich meine 🙂

    Für alle die hier mit lesen, schaut euch auch den Blog von Thomas an zilch-fotografie.de

  2. @ Anke

    "Was mir jedoch auffällt, bei Wettbewerben gibt es ohne Bildbearbeitung kaum Chance. Deshalb mache ich da auch nicht mehr mit, was ich vor ein paar Jahren immer mal wieder versucht habe."

    Genau das ist eines der Probleme, welche aus den Bildmanipulationen entstehen. Fotografen/innen die Spaß an der Wettbewerb Fotografie haben, werden dadurch ab geschreckt. Ich selbst mache einige Wettbewerbe im Jahr mit. Mal mit Erfolg und auch öfters mal ohne Erfolg. Was mich aber immer ärgert ist die Tatsache das ab und an in den Wettbewerben in den Sparten "Natur" ein Composing gewinnt.

    Das aller Wichtigste ist es den Spaß nicht zu verlieren.

    (3) Fotowettbewerbe

  3. @Reinold Gober

    Da sprichst du einen sehr wichtigen Punkt an. Wenn das Bild in dem Fall als "Composing" oder so ähnlich gekennzeichnet wird. Das dies in den sozialen Medien nicht immer der Fall ist, dürfte klar sein. Dort muss es auch nicht zwangsläufig der Fall sein. Wenn es aber um Wettbewerbe oder ähnliche Aktionen geht, ist es meiner Meinung nach sehr sinnvoll dies zu tun.

  4. Christian, ein interessanter Artikel zu einem wahrlichen Dauerbrennerthema. Wie Du und die Vorschreiber hab ich natürlich dazu auch meine eigene Meinung. Zum Deinem Bildbeispiel: Ich finde es völlig in Ordnung, die Plattform herauszustempeln. Warum? Weil sie den ansonsten hervorragenden Bildeindruck etwas schwächt, indem sie den Blick auf sich zieht. Es ist das einzige Ding in diesem "Naturbild", das da nicht hingehört. Sie trägt nicht zur Bildaussage bei, sondern stört nur. An dieser Location hättest auch nicht durch eine noch so geniale Bildgestaltung die Chance gehabt, dieses störende Element vor Ort zu eliminieren.
    Wo ist also die Grenze? Ich weiß es auch nicht, Aber ich bin nicht so sehr für derart dogmatische und harte "Richtlinien" in der Kunst. Und als das sehe ich unsere Landschaftsfotografie an.
    Und um nicht falsch verstanden zu werden: Selbstverständlich tu' auch ich alles, um das Bild bereits an der Location so perfekt wie möglich zu machen. Aber wenn es nicht geht, wenn ich eine Bildmanipulation vornehmen muss, um die Bildaussage zu verbessern oder kleine störende Elemente zu entfernen, dann ist mir das auf jeden Fall Recht, wenn die einzige Alternative darin besteht, das Bild nicht zu machen,
    Liebe Grüße,
    Thomas

  5. Hallo Christian, ich finde das ist jedem selbst überlassen. Ich nutze keine Bildbearbeitung, macht mir so mehr Freude und ist Ansporn in dem Moment die Einstellung zu finden die mir vorschwebt.
    Was mir jedoch auffällt, bei Wettbewerben gibt es ohne Bildbearbeitung kaum Chance. Deshalb mache ich da auch nicht mehr mit, was ich vor ein paar Jahren immer mal wieder versucht habe.
    Da ich Fotografie egal wie liebe, ob selbst fotografieren oder tolle Bilder anschauen, ist es mir unwichtig ob da Photoshop drin ist oder nicht 😃, liebe Grüße, Anke

  6. Deinen "Standpunkt zur Grenze der Bearbeitung teile ich voll und ganz. Wenn es mir nicht gelingt störende Elemente vor Ort durch die Bildgestaltung " zu eliminieren hab ich Pech gehabt. Es sei denn, es sind z.B. störende Lichter durch Autoverkehr, oder ein Zaunpfahl der von einer Blickführung ablenkt. Dies sind minimale Eingriffe, die ich noch für akzeptabel halte. Häuser, Bäume oder gar einen ganzen Himmel auszutauschen, Sonnenstrahlen einzufügen und somit die natürliche Bildquelle zu manipulieren, kann durchaus einen künstlerischen Anspruch erfüllen. Dies sollte dann aber auch offen und ehrlich als "Composing" oder ähnlich deklariert werden.. ,

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