(6) Polarlichter fotografieren

Polarlichter – ein unvergessliches Naturschauspiel fotografieren


Wie fotografiert man Polarlichter?


Im heutigen Blogbeitrag möchte ich euch zusammen mit Thomas Zilch in eine ganz spezielle Ecke der Naturfotografie mit nehmen. Nordlichter zu fotografieren ist der Traum vieler Natur und Landschaft Fotografen/innen. Thomas wird euch in seinem Beitrag einige nützliche Tipps geben, wie es möglich ist die Lady Aurora auf den Sensor zu bringen. Nun lassen wir aber direkt Thomas zu Wort kommen.


Was sind Polarlichter und wie entstehen sie?

Fast jeder hat schon Bilder von Polarlichtern gesehen, meist jedoch nur in Zeitschriften oder im Fernsehen. Aber in der dunklen, kalten und sternenklaren Polarnacht weitab der Zivilisation im Schnee zu stehen und die Polarlichter selbst bestaunen zu dürfen, ist eines der größten Abenteuer, die Du als Landschaftsfotograf erleben kannst.

Für die Entstehung der Polarlichter ist die Sonne verantwortlich. Sie sendet mit dem Sonnenwind einen Strom von Partikeln in alle Richtungen ins All. Die Teile des Sonnenwindes, die auf die Erde treffen, werden vom Erdmagnetfeld abgelenkt. Zum Glück, denn ohne das Magnetfeld gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Der Sonnenwind tritt je nach Sonnenaktivität in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität auf und besteht aus geladenen Teilchen, im Wesentlichen aus ionisiertem Wasserstoff.

Durch den Kontakt mit der Erdatmosphäre entstehen dann die als Polarlicht bekannten Leuchterscheinungen.

Dabei treten nicht nur die grünen Lichter auf, sondern je nach Höhe und Intensität des Kontaktes mit der Erdatmosphäre können auch violette und rote Polarlichter beobachtet werden.

Wo findet man Polarlichter?

Polarlichter entstehen, wie der Name schon sagt, an den Polen der Erde. Der Grund dafür ist wieder das Magnetfeld. Man kann sich das Magnetfeld als ein Netz von parallelen Linien vorstellen, die die Erde am Nordpol verlassen, sich um die Erde spannen und am Südpol wieder eintreten. An den Polen wird der Sonnenwind damit weniger abgelenkt und folgt den Magnetfeldlinien, bis seine Partikel wie schon erwähnt mit der Erdatmosphäre interagieren und die Leuchterscheinungen erzeugen.

Die Polarlichter treten damit ein einem “Kringel” rund um Nord- und Südpol auf. Der Kringel ist auf Grund der Lage der Erde im Sonnensystem leicht gegen die Erdachse verschoben. Orte, die dann zeitweise direkt unter diesem Bereich liegen, wie z.B. die Gegend um Tromsö, sind aus landschaftsfotografischer Sicht besonders interessant. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dort Polarlichter beobachten zu können, zum anderen sehen sie dort besonders schön aus.

Kann man Polarlichter vorhersagen?

Das Auftreten von Polarlichtern ist an mehrere Bedingungen geknüpft: Zu allererst muss es Nacht sein und der Himmel muss frei von Wolken sein. Daneben muss die Aktivität des Sonnenwindes entsprechend hoch sein.

Es gibt verschiedene Apps, die versuchen, die Aktivität vorherzusagen, in dem sie die Daten verschiedener meteorologischer Stationen auswerten. Solche Apps sind zwar hilfreich, aber eine positive Vorhersage einer App ist noch lange keine Garantie dafür, dass Du auch wirklich Auroren beobachten kannst. Du wirst also des Öfteren in der Kälte stehen und vergeblich auf die Himmelserscheinungen warten.

Ein Maß für die Stärke der Polarlichter ist der Kp-Index, der im Jahr 1939 von dem deutschen Geophysiker Julius Bartels entwickelt wurde. Je höher der Kp-Wert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Polarlichter beobachtet werden können.

Um den Kp-Wert zu erfahren, nutze ich meistens die App “Aurora Alerts”. Sie zeigt neben dem Kp-Index weitere Parameter des Sonnenwindes für beliebige Punkte auf der Erde an. Daneben gibt es eine sehr hilfreiche Vorschau über die Entwicklung der nächsten Tage. Diese App und daneben eine gute App für die Wettervorhersage, mehr braucht es nicht.

Ausrüstung: Was brauche ich, um Polarlichter zu fotografieren?

Polarlichter können sich sehr unterschiedlich verhalten: Manchmal stehen sie sehr ruhig am Himmel, manchmal bewegen sie sich sehr schnell und manchmal springen sie regelrecht hin und her. Es gibt deshalb kein Patentrezept, wie die Kamera einzustellen ist.

Kamera

Aber der Reihe nach: Um erfolgreich Polarlichter fotografieren zu können, benötigst Du eine Kamera, an der Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit (ISO) manuell einzustellen sind. Ja, man kann Polarlichter auch mit dem Smartphone fotografieren, aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Objektiv

Daneben ist ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv notwendig. Lichtstark soll es sein, damit Du die Belichtungszeit möglichst kurz halten kannst, ohne die Empfindlichkeit allzu hoch setzen zu müssen. Bei zu langen Belichtungszeiten besteht die Gefahr, dass die Polarlichter nur als verwaschener grüner Farbfleck auf dem Bild erscheinen und mit steigender ISO steigt auch das Bildrauschen an. Beides willst Du vermeiden.

Es ist schwierig, für die Brennweite des Objektivs eine klare Empfehlung auszusprechen. Idealerweise willst Du ja nicht nur die Polarlichter aufs Bild nehmen, sondern auch einen Teil der Landschaft. Du wisst ja: Vordergrund macht Bild gesund! Ich selbst habe Polarlichter bisher mit Brennweiten zwischen 14 und 35 Millimetern fotografiert.

Stativ und Fernauslöser

Ein weiterer unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand ist ein stabiles Stativ, das Deine Kamera während der Belichtung sicher und verwacklungsfrei trägt. Und wenn die Kamera keine einstellbare Auslöseverzögerung bietet, kann die Verwendung eines Fernauslösers sinnvoll sein. Ich bevorzuge kabelgebundene Fernauslöser. Diese funktionieren immer, sofern es sich nicht um billigen Chinakram handelt und da sie am Kabel hängen, können nicht auf Nimmerwiedersehen im Schnee versinken.

Fokussieren

Ein wichtiges Thema ist das richtige Fokussieren in der Dunkelheit: Die Fokussierringe moderner Objektive haben in aller Regel keinen Anschlag mehr. Das bedeutet, Du kannst nicht einfach bis zum Anschlag drehen, um auf Unendlich zu fokussieren. Du solltest dann manuell auf einen hellen Stern oder, falls Du Dich nicht ganz weit ab von der Zivilisation aufhältst, auf eine weit entfernte Straßenlaterne oder andere Lichtquelle fokussieren.

Belichtung

Nachts lässt Dich der Belichtungsmesser Deiner Kamera meistens im Stich, daher ist es sinnvoll, wenn Du Dich, ausgehend von einer Starteinstellung, an die richtige Belichtung herantastest. Diese Starteinstellung hängt stark von der verwendeten Kamera-Objektiv-Kombination ab. Eine sinnvolle Kombination von Belichtungsparametern, mit der Du beginnen kannst, ist

  • Belichtungszeit 10 Sekunden
  • ISO 1600 bis 3200
  • Offenblende (je nach Objektiv 1.8, 2.8 oder 4)

Je nach Ergebnis arbeitest Du Dich dann an die passende Wertekombination heran. Dabei sind folgende Randbedingungen zu beachten:

  • Allgemeine Helligkeit des Himmels und der Landschaft
  • Dynamik des Polarlichts: Je stärker es sich bewegt, desto niedriger sollte die Belichtungszeit sein
  • Rauschverhalten der Kamera: Je schlechter, desto niedriger der ISO-Wert
  • Leistungsfähigkeit des Objektivs bei Offenblende: Viele Objektive zeigen bei Offenblende mehr oder weniger starke Abbildungsfehler. Da kann es sinnvoll sein, die Blende ein wenig zu schließen.

Achtung: Da die Umgebung ja sehr dunkel ist, erscheint das fertige Bild auf dem Kameradisplay viel heller, als es in Wirklichkeit ist. Deshalb solltest Du die Displayhelligkeit herunterregeln und das Bild nicht auf dem Display, sondern anhand des Histogramms beurteilen.

und genießen

Wenn dann die Polarlichter die nächtliche Bühne betreten, heißt es Feuer frei. Und bei aller Freude an diesen wunderbaren Naturerscheinungen solltest Du nicht vergessen, die Bildkomposition zu variieren, indem Du den eigenen Standort, den Bildausschnitt oder die Brennweite veränderst.

Und noch wichtiger: Nicht nur durch die Kamera, sondern ab und zu auch mal eine Zeitlang mit eigenen Augen zum Himmel schauen und genießen.

Fazit

Polarlichter sind eine wunderbare Naturerscheinung. Jeder, der sie einmal live erleben durfte, wird diese Erfahrung nie mehr vergessen und es zieht ihn von da an immer wieder in den hohen Norden, hin zu den Polarlichtern.

Weiterführende Links

Der Autor

Thomas Zilch ist Landschaftsfotograf aus Leidenschaft. Von seinen Reisen in den Norden Europas hat er während der letzten Jahre auch viele eindrucksvolle Bilder von Polarlichtern mitgebracht. Seine Werke veröffentlicht er auf seiner Webseite.

+++ Kommentare, Anregungen oder Fragen gerne unten unter dem Beitrag oder per Mail an mich. +++

Danke an Thomas Zilch.


Gastbeitrag von Thomas Zilch, Autor


  • Naturfotograf
  • Referent
  • Fototrainer
  • Hompage

Fuji X-T2, 10mm, 20s, f/4, ISO 800
Fuji X-T3, 12mm, 6,5s, f/2, ISO 2500
Fuji X-T3, 12mm, 15s, f/2, ISO 2500
Fuji X-T3, 12mm, 10s, f/2, ISO 1600
Fuji X-T3, 12mm, 10s, f/2, ISO 3200
Fuji X-T, 12mm, 4s, f/2, ISO 2500
Nikon Z7, 14mm, 4s, f/4, ISO 1000
https://naturimfokus.com/fotoreisen/
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Bei den Heimatlichtern kannst du meine Bilder als Druck kaufen. Sollte das ein Bild in der Galerie fehlen, spreche mich gerne an.

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3 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei,
    Ich kann euch an der Stelle nur zustimmen. Es ist wirklich keine gute Idee, sich erst im Dunkeln zu orientieren. Als ich das erste Mal in der Nordlicht Region war, konnte ich mich kaum zurück halten. Fuhr aber trotzdem noch bei Tageslicht raus um mich zu orientieren. Vor allem auch, weil die Lokation direkt am Meer und im Schnee lag.

    Danke euch beiden für den Kommentar hier im Blog.

    GUTES LICHT
    Christian Mütterthies

  2. Hallo Reinold,
    danke für Deinen Kommentar. Der Hinweis ist sehr wichtig, denn es ist nicht ratsam, sich nachts in Gefahr zu begeben. Wie bei jeder Fototour ist auch hier die Vorbereitung das A und O, Dazu gehört auch, die Location und den Weg dorthin vorher gut zu erkunden.
    Ich erinnere mich gern an unser großes Polarlicht-Abenteuer vom vorletzten Jahr, das sicherlich nicht funktioniert hätte, wenn wir aufs Geratewohl durch die Nacht gestolpert wären.
    Viele Grüße,
    Thomas

  3. Hallo Christian,
    hallo Thomas,

    großartiger Blog der mächtig Reiselust entfacht.

    Ein Hinweis/Ergänzung scheint mir jedoch erwähnenswert.

    Wichtig beim Scouting (Locationauswahl) sollte es sein, sich vor der Reise in die Dunkelheit (Aurorachasing) eine schöne Location auszusuchen. Möglichst bei Tageslicht kann man so eine ansprechende/spannende Bildgestaltung planen. Auch die Erreichbarkeit/Zugang zu reizvollen Locations können so besser beurteilt werden, als nachts gefahrvoll mit Stirnlampe in der Pampa herum zu stolpern.

    Viele Grüße und weiter so

    Reinold

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